Die Anfänge der Hebammen in Innsbruck

vonRedaktion International
MÄRZ 31, 2025

Über weite Teile der Menschheitsgeschichte brachten Frauen ihre Kinder allein zur Welt. Doch mit der Zeit hatten Frauen in vielen Gesellschaften das Bedürfnis nach einer Begleitperson, die sie in den Wehen unterstützt. Der Beruf der Hebamme war geboren und wurde zu einem integralen Bestandteil in der medizinischen Versorgung. Von Verena Kaiser

Die erste Innsbrucker Trostfrau

Die ersten Frauen, die Schwangere begleiteten, waren meist weibliche Verwandte oder Freundinnen. Sie hatten sich ihr Wissen durch selbst erlebte Geburten oder durch die Beobachtung anderer Frauen beim Gebären angeeignet. Je häufiger eine Frau Schwangere begleitete, desto öfter wurde sie zu Geburten gerufen, weil sie als besonders erfahren galt.

1535 beantragten 12 adelige Damen beim Stadtpfarrer, dass sich eine Frau namens Anna Hartmann, die Köchin eines Mitglieds der Hofgeistlichkeit, gegen eine wöchentliche Bezahlung nur noch der Geburtshilfe widmete: „Weil wir sehen und täglich erfahren, daß großer Mangel an solchen Trostfrauen hier in Innsbruck ist und sie gute Proben ihres Könnens abgelegt hat, […] bitten wir, hiernach unterschriebene Frauen, […] der genannten Anna wöchentlich einen Betrag anzuweisen, damit sie sich einen eigenen Haushalt einrichten und ihren Dienst mit Gott und Ehren treulich und fleißig versehen möge.“

Lange Zeit war der Beruf der Hebamme folglich eine Art der Freunderlwirtschaft. Die praktische Erfahrung und Weiterempfehlung der „Trostfrauen“ dominierten die Geburtshilfe in der Stadt bis ins 17. Jahrhundert.

Die Trostfrau wandelt sich zur Hebamme

Erste Schritte in Richtung einer Professionalisierung der Geburtshilfe gab es zur Zeit der Aufklärung, als gesunde Kinder als wertvolle Staatsbürger angesehen wurden, die für das Wachstum des Staates von Bedeutung waren. Zuvor oblag die Aufsicht der Hebammen dem Stadtpfarrer. Vor einer Anstellung prüfte er die Kirchentreue und die Lebensweise der Frauen, die ihm auch einen monatlichen Bericht über ihre Arbeit erstatten mussten. Unter der Regentschaft von Maria Theresia (1717–1780) kam es zu ersten Ansätzen einer geregelten Ausbildung für Hebammen. An der medizinischen Fakultät in Innsbruck, die seit 1654 bestand, hielt ab 1754 der jeweilige Professor für Anatomie und Chirurgie einen Kurs über die Geburtshilfe für angehende Ärzte ab.

1765 richtete man auch einen zweimonatigen Ausbildungskurs für Hebammen ein. Der Kurs war mit einem einjährigen Praktikum bei einer erfahrenen Hebamme verknüpft. Jedes Gericht musste auf eigene Kosten zwei Frauen zu diesen Kursen schicken, wodurch auch die Zahl der ausgebildeten Hebammen in den Landgemeinden stieg. Dennoch gab es weiterhin noch zahlreiche Afterhebammen, sprich Geburtshelferinnen ohne Ausbildung. Es gab Bemühungen diesen Hebammen die Arbeit zu untersagen. Ein Schreiben von 1799 regelte allerdings, dass in entfernten Gegenden, wo das Warten auf eine qualifizierte Hebamme eine Gefahr für Mutter und Kind darstellte, eine Frau aus einem nahegelegenen Dorf zur Unterstützung einspringen durfte. Dieser Umstand galt als absoluter Ausnahmefall.

Wer regelmäßig als Afterhebamme arbeitete, mussten mit Geld- oder Haftstrafen sowie körperlicher Züchtigung rechnen. Nach der Eingliederung Tirols an Bayern 1806 sprach die neue Regierung ein gänzliches Berufsverbot für Afterhebammen aus.

Quelle: Stadt Innsbruck

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